Perspektiven des Bildungsstreiks

Kommentar: Wie der Bildungsstreik erfolgreich werden kann.
Veröffentlich in critica Nr.2

Beim großen „Lucky strike“ 1997 gingen zehntausende Studierende auf die Straße. Da aber kein Bündnis mit anderen Sozialprotesten gesucht wurde und radikale Aktionsformen kaum eine Rolle spielten, konnte die Bewegung trotz massenhafter Beteiligung nur wenig erreichen. Andersherum waren 2003/04 die Aktionsformen radikal und die Orientierung auf ein Zusammengehen mit anderen Bewegungen klar, es gelang aber nicht, die große Mehrheit der Studis in die Proteste einzubinden. Am erfolgreichsten waren studentische Proteste in der Vergangenheit, wenn eine Kombination verschiedener Elemente gelang: 1. die Einbeziehung möglichst vieler Studierender durch Forderungen, die auf ihre Studien- und Lebensrealität passten. 2. Der Verortung in sozialen Bewegung und dem Aufgreifen von gesellschaftlichen Themen über die Unis hinaus. Nur so konnte ausreichend Druck aufgebaut werden, die Regierungen zu Zugeständnissen zu zwingen – auf sich allein gestellt, können Studierende keinen ökonomischen Druck entwickeln. 3. Ein plurales Verständnis von Protestformen, dass Raum bietet für unterschiedliche Bedürfnisse: von „die Bildung geht baden“ bis zu Blockaden und Besetzungen. Dabei spielen gerade solche militanteren Aktionsformen eine wichtige Rolle: Sie garantieren mediale Aufmerksamkeit und können eine Radikalisierung der Bewegung ausdrücken, solange sie vermittelbar bleiben.
Der Bildungsstreik in diesem Sommer hat das Potenzial zu einem Erfolg: Am 17. Juni bundesweit und zeitgleich mit den Schülern zu streiken und auf die Straße zu gehen und so im Vorwahlkampf Bildung unübersehbar zum Thema zu machen, ist ein plausibles Konzept, an dem sich potenziell Zehntausende beteiligen können. In Zeiten der Krise den Schulterschluss mit anderen Bewegungen zu suchen und allgemeinpolitische Themen aufzugreifen, liegt nahe. Und die bundesweite Aktionswoche vom 16.-19. Juni bietet Raum für ein breites Spektrum an Protestformen: von lustig-kreativen bis militanten und direkten Aktionen.

Florian Wilde ist Mitglied im Bundesvorstand von DieLinke.SDS. An der Hochschule ist er seit dem Lucky Strike 1997 politisch aktiv.

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